Fragen und Antworten (FAQ’s) zur Blutegeltherapie
Die häufig gestellten Fragen, die wir nach bestem Wissen für Sie beantwortet haben, sollen zur praxisbezogen und lebendigen Informationen über die Blutegeltherapie dienen. Die Informationen dürfen auf keinen Fall als Ersatz für professionelle Beratung oder Behandlung durch ausgebildete und anerkannte Ärzte angesehen werden. Der Inhalt von blutegel.de sowie der FAQ's kann und darf nicht verwendet werden, um eigenständig Diagnosen zu stellen oder Behandlungen durchzuführen.
Themenbereiche:
Indikation Humantherapie
- Rechtliche Aspekte der Blutegeltherapie
- Haltung der Blutegel vor der Anwendung in der Praxis
- Behandlung
- Potentielle Nebenwirkungen
- Potentielle Kontraindikationen
Indikation Tiertherapie
Indikation Humantherapie
♦ Rechtliche Aspekte der Blutegeltherapie
Frage:
Darf ich, auch wenn ich über keine abgeschlossene Ausbildung als Arzt oder Heilpraktiker verfüge, eine Blutegelbehandlung an Dritten durchführen?
Antwort:
Nein, gemäß § 5 Heilpraktikergesetz (HPG) wird mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder Geldbuße bestraft, wer die Heilkunde ausübt, ohne eine Erlaubnis nach § 1 HPG zu besitzen.
Frage:
Was fange ich mit den gebrauchten Egeln nach der Behandlung an?
Antwort:
Töten z.B. mit Spiritus oder Einfieren bei tiefen Temperaturen -18 °C (mindestens 12 Std). Entsorgung im gewerblichen Bereich möglichst als Abfallschlüssels 18 01 02 Organe und Blutprodukte. Ansonsten über den Hausmüll in flüssigkeitsdichten, bruchsicheren Behältnissen mit der Aufschrift potentiell infektiöses Material entsorgen. Ggf. bei Interesse vor der Entsorgung im geschlossenen Glas mit Wasser und Steinen bis zum natürlichen Versterben der Blutegel aufbewahren.
Frage:
Kann ich als Privatperson Blutegel für eine Behandlung beziehen?
Antwort:
Blutegel erhält man rezeptfrei, sie sind aber apothekenpflichtig. Wegen der Behandlungsrisiken sollte keine laienhafte Selbstmedikation vorgenommen werden. Bei Vorlage einer Bescheinigung des behandelnden Therapeuten können die Blutegel auch direkt über die Biebertaler Blutegelzucht GmbH bezogen werden.
Frage:
Dürfen die Blutegel ein zweites Mal zur Anwendung kommen?
Antwort:
Nein, es ist aus arzneimittelrechtlichen Qualitäts- und Sicherheitsgründen verboten, einmal benutzte Blutegel wieder zu verwenden.
Frage:
Wenn die Blutegel ein zweites Mal bei derselben Person zum Einsatz kommen, besteht dann auch ein Qualitäts- und Sicherheitsrisiko?
Antwort:
Die Blutegel beißen nach einer umfassenden Blutaufnahme frühestens nach 3 Monaten erneut. Die Zwischenhaltung der Blutegel unter künstlichen Bedingungen in Gefäßen führt zur Erhöhung des Bakterienbesatzes der Blutegel und das Risiko einer Sekundärinfektion beim Patienten steigt deutlich an.
♦ Haltung der Blutegel vor der Anwendung in der Praxis
Frage:
Wie lange sollten Blutegel vor einer Behandlung in der Therapiepraxis aufbewahrt werden?
Antwort:
Optimal ist eine Hälterung von mindestens zwei Tagen vor der Behandlung an einem ruhigen, mäßig temperierten Ort, um den Tieren Erholung vom Versandstress zu gewähren.
Frage:
Wie lange kann ich Blutegel in der Therapiepraxis für die nächste Behandlung aufbewahren?
Antwort:
Die Zeitdauer hängt vorrangig von den Haltungsbedingungen ab. Werden die Tiere in einem geschlossenen Gefäß mit adäquatem Wasser und Steinen (ca. 5 Egel pro Liter) gehalten, sollten eine Haltungszeit bis zur medizinischen Anwendung von 2 – maximal 4 Wochen nicht überschritten werden, da die Zwischenhaltung der Blutegel unter künstlichen Bedingungen in Gefäßen u.a. zur Erhöhung des Bakterienbesatzes der Blutegel führt und das Risiko einer Sekundärinfektion beim Patienten deutlich steigt . Bei einer professionellen Hälterung unter Einbeziehung dieser und anderer Probleme lässt sich die Hälterungsdauer deutlich steigern. Techniken hierfür und anderes können direkt bei der Biebertaler Blutegelzucht GmbH erfragen.
Frage:
Kann man Blutegel in Leitungswasser aufbewahren?
Antwort:
Dies hängt maßgeblich von der Qualität des Leitungswassers ab. Leitungswasser wird in Deutschland sporadisch gechlort. Blutegel sterben bereits bei geringen Chlormengen im Wasser. Darüber hinaus sollte das Wasser wenig Kalk enthalten (Gesamt-Härte < 8 dH entspricht Härtebereich 1 weich) pH < 7. Wir empfehlen deshalb einfach destilliertes Wasser (Im Handel als Batteriewasser erhältlich), das mit 0,5 g Meeressalz pro Liter versetzt werden muss (ca. eine Messerspitze). Darüber hinaus sollte das einfach destillierte Wasser vollständig keimfrei sein.
♦ Behandlung
Frage:
Wie lange dauert die Nachblutung?
Antwort:
Die normale Dauer der Nachblutung beträgt 8 – 24 Std.
Frage:
Die Nachblutung bei einem Blutegelbiss war sehr stark, besonders lang andauernd und der Egel fiel auch bereits nach kurzer Zeit dick und satt ab. Woran liegt das?
Antwort:
Vermutlich saß der Egel direkt über einer oberflächlich verlaufenden Vene. Beachte: Im Bereich der Extremitäten immer am stehenden Patienten die Ansatzstellen lokalisieren und markieren, da dann der maximale Füllungszustand der Gefäße gewährleistet ist und man nicht versehentlich direkt über einer Vene ansetzt.
Frage:
Ist der Blutegelbiss schmerzhaft?
Antwort:
Das Schmerzempfinden ist sehr individuell und von der Ansatzstelle abhängig. In der Regel wird von einem Schmerzempfinden vergleichbar der Berührung mit einer Brennnessel, oder einem Insektenstich in die Vene berichtet.
Frage:
Reicht das Wissen der hier gegebenen Antworten aus, um eine Blutegelbehandlung durchzuführen?
Antwort:
Nein, diese FAQs dienen lediglich zur Erinnerung an grundsätzliche Fakten. Eine gründliche Schulung/Unterweisung in Theorie und Praxis der Blutegelbehandlung ist unabdingbare Voraussetzung für erfolgreiche Behandlungen.
Frage:
Wandern die Egel während des Saugens?
Antwort:
Die Egel bewegen sich ggf. etwas, bleiben aber mit dem vorderen Saugnapf an der Bissstelle haften, bis sie mit der Blutaufnahme fertig sind. Danach fallen sie ab bzw. kriechen weg, beißen aber nicht mehr erneut.
Frage:
Die Wunde juckt nach der Behandlung, was kann man dagegen tun?
Antwort:
In vielen Fällen wird von einem Juckreiz berichtet, der bei einigen Patienten als sehr massiv empfunden wird. Ein Kratzen führt häufig zu Sekundärinfektionen und sollte unbedingt vermieden werden. Um den Juckreiz zu lindern, kann ggf. leicht auf die Wunde geklopft werden bzw. sind folgende „Behandlungen“ hilfreich. Äußerlich: Fenistil®-Gel, Quarkwickel, Alkoholumschläge. Innerlich: Apis, oder Ledum ggf. Antihistaminika, Spenglersan®-Kolloid G
Frage:
Warum und wann werden Bissstellen blau?
Antwort:
Die bläuliche Färbung entsteht durch Hämatombildung infolge der gerinnungshemmenden Wirkung des Blutegelspeichels verbunden mit dem hohen Saugdruck des Blutegels an empfindlicher Haut.
♦ Potentielle Nebenwirkungen
Frage:
Die Bisse haben sich entzündet, sind von einem Hof umgeben, jucken stark und die Umgebung (meist eine Extremität) ist geschwollen und spannt. Was ist die Ursache und welche Maßnahmen sind sinnvoll?
Antwort:
Hierbei kann es sich um lokale Reaktionen auf das Blutegelbakterium Aeromonas sp. und/oder eine allergische Reaktion handeln. Gerade nach Blutegelansatz unterhalb der Leiste oder am Arm ist es besonders wichtig, die behandelte Extremität ca. drei Tage überwiegend hoch zu lagern. Nachdem die Blutung zum Stillstand gekommen ist, sollten zudem kühlende Umschläge gemacht werden. Wenn diese Maßnahmen entsprechend angeordnet und befolgt werden, können oft im Vorfeld starke lokale Nebenwirkungen vermieden werden. Maßnahmen: Hochlagern, kühlen, lokal und intern Antihistaminika (Fenistil®, Ceterizin hochdosiert), ggf. zusätzlich hochdosiert Enzympräparate, homöopathisch: Apis, Ledum, Ruhe bewahren! Die Beschwerden klingen meistens nach ein paar Tagen wieder ab.
Frage:
Können durch den Biss des medizinischen Blutegels ansteckende Krankheiten übertragen werden?
Antwort:
Blutegel dürfen nur einmal verwendet werden, somit scheidet eine Übertragung menschlicher Pathogene grundsätzlich aus.
Frage:
Nach Blutegelbehandlung sind die regionalen Lymphknoten geschwollen. Woher kommt das und was kann man dagegen tun?
Antwort:
Zunächst einmal sind regionale Lymphknotenschwellungen völlig harmlos und darin begründet, dass das Blutegelsekret lymphstrombeschleunigend wirkt und manchmal an den „Grenzposten“ Stauungen verursachen kann. Die Schwellungen müssen nicht unbedingt behandelt werden, da sie von alleine wieder abklingen. Man kann, um den Rückgang der harmlosen Schwellungen zu forcieren, naturheilkundliche Lymphmittel geben (z. B. Lymphdiaral® intern und extern)
Frage:
Die Blutegelbisse sind noch nach Monaten sichtbar. Was kann man dagegen tun?
Antwort:
Kleinflächige, dauerhafte Depigmentierungen an der unmittelbaren Bissstelle können zurückbleiben, bei Keloidneigung auch Keloide. Oft hilft Keloid-Gel /Wala®. Der Behandler muß die Patienten im Vorfeld diesbezüglich aufklären. Vorsicht bei Behandlung im Gesichtsbereich.
Frage:
Bleiben Narben von der Bisswunde?
Antwort:
Es bleiben kleine Narben, die vom Hauttyp abhängig spätestens nach ca. 6 Monaten weitgehend unsichtbar sind.
Frage:
Kann sich die Bisswunde infizieren?
Antwort:
Bei sachgemäßer Anwendung ist eine prinzipiell mögliche, lokale Infektion mit dem Blutegelsymbionten Aeromonas sp. selten (Primärinfektion) und in der Regel unproblematisch. Um dies zu vermeiden sollte der Egel nicht gequetscht oder auf andere Weise zum Erbrechen gebracht werden (z. B. Aufbringen von zuviel Salz , um ihn zur Ablösung zu bringen). In seltenen Fällen kann es zu Infektion durch Fremdbakterien (Sekundärinfektion) kommen, die sich auf der Haut des Egels befinden, wenn diese unter ungünstigen Bedingungen längere Zeit zwischen gehalten oder vor der Behandlung nicht gewaschen wurden. Manchmal kann es zu nachträglichen Sekundärinfektionen durch den Eintrag von Fremdbakterien durch Kratzen an den Bisswunden kommen. Maßnahmen: Rivanolbäder®, ggf. Antibiotika „Cefalosporine der dritten Generation“.
♦ Potentielle Kontraindikationen
Frage:
Kann man eine Blutegelbehandlung an einem Patienten, der Aspirin einnimmt, durchführen?
Antwort:
Ja, Salicylsäurepräparate müssen allerdings drei Tage vor der Behandlung abgesetzt werden und dürfen erst am zweiten Tag nach der Behandlung wieder eingenommen werden. Zur Absetzung unbedingt Rücksprache mit dem Hausarzt halten.
Frage:
Muss man ein aktuelles Blutbild des Patienten vor der Blutegelbehandlung in die Betrachtung mit einbeziehen?
Antwort:
In jedem Fall, um ggf. eine Anämie zu erkennen oder generell anhand des roten Blutbildes und Eisens die Menge der anzusetzenden Blutegel festzulegen. Immerhin kann der Blutverlust pro Egel bis zu 40ml betragen
Indikation Tiertherapie
♦ Blutegelbehandlung
Frage:
Was kann man tun, damit die Blutegel bei niedrigen Temperaturen beißen?
Antwort:
Das Problem tritt vorwiegend im Winter in der Großtierpraxis auf. Die sicherste Methode ist eine Infrarotlampe einzusetzen und zwar so lange wie die Blutegel im Einsatz sind. Zugluft sollte trotzdem vermieden werden. .Zuvor ist die zu behandelnde Stelle mit durchblutungsfördernden Maßnahmen zu behandeln. Hierzu zählen hydrotherapeutische Anwendungen (z.B. warmes Wasser, heiße Rolle, rubbeln, anhauchen usw.
Frage:
Müssen vor der Blutegelbehandlung die Haare beim Tier entfernt werden?
Antwort:
Die zu behandelnde Stelle ist restlos von Haaren zu befreien, der kleinste Haarstummel kann Grund dafür sein, dass die Blutegel nicht beißen.
Frage:
Soll man einen Verband anlegen?
Antwort:
In der Kleintierpraxis empfiehlt es sich schon aus hygienischen Gründen das Tier zu verbinden. Beim Großtier ist es i.d.R. nicht realisierbar. Da die Nachblutungen verhältnismäßig schwach sind, ist bei anschließender Beobachtung nicht mit Komplikationen zu rechnen.
Frage:
Welche Blutegelgröße und wie viele Blutegel kann man einsetzen?
Antwort:
Die Größe und Menge richtet sich nach dem Gewicht und damit der damit vorhanden Blutmenge des Patienten. Deshalb sollte man nur dem ausgebildeten und erfahrenen Therapeuten eine Behandlung überlassen.
Frage:
Lassen Tiere eine Blutegelbehandlung so ohne weiteres über sich ergehen?
Antwort:
Sowohl Klein- als auch Großtiere haben mit der Blutegelbehandlung kein Problem. Man geht davon aus, dass das Tier den Blutegelbiss als etwas Natürliches akzeptiert.
Frage:
Wie oft kann man eine Blutegelbehandlung wiederholen?
Antwort:
Das hängt ganz vom Indikationsgebiet ab, der Größe des Tieres und dem Erfolg der ersten Behandlungen. I.d.R. kann man die Behandlung nach 3 bis 5 Tagen wiederholen, hat sich spätesten nach der zweiten Behandlung kein Erfolg eingestellt, empfiehlt es sich nicht damit fortzufahren. Hier sei nochmals erwähnt, dass die Blutegelbehandlung nur einem erfahrenen Therapeuten zu überlassen ist.
Frage:
Ist die Nachblutung bei Tieren vergleichbar mit der Nachblutung bei Menschen?
Antwort:
Aus Beobachtungen heraus kann hat man festgestellt, dass die Nachblutungen bei Tieren oft deutlich kürzer sind als bei Menschen. Nach 4 bis 6 Std. steht die Blutung, Ausnahmen gibt es jedoch.
Frage:
Wie viele Blutegel sollte man für die Behandlung bereithalten:
Antwort:
Bei Tieren sind die Blutegel manchmal etwas wählerisch. Deshalb empfiehlt sich ca. die doppelte Anzahl, die angesetzt werden sollen, für eine Behandlung bereit zu halten
