DIE VIELFALT IN DER FÄRBUNG DER EGEL

 

hirudomed Es gibt über 600 Egelarten auf unserer Erde. Da sie so eine unglaublich lange Entwicklungsgeschichte hinter sich haben (mindestens 300 Millionen Jahre, manche Quellen behaupten bis zu 600 Millionen), haben sie sich auch sehr differenziert an ihre jeweiligen Lebensräume anpassen können. So konnten die ersten Arten natürlich mit Wirbeltierblut noch gar nichts anfangen, denn die Wirbeltiere, und erst recht die Säugetiere, tauchten erst Millionen Jahre später auf. Die Egel haben sich aber schnell darauf spezialisieren können.

 

 So behaupten viele seriöse Quellen, dass die uns bekannten Medizinischen Blutegel (und nur von diesen handeln die folgenden Zeilen) unbedingt Wirbeltierblut benötigen, um sich fortpflanzen zu können. Ob das so absolut stimmt wird zurzeit erforscht.

 

 Aber nicht nur die Nahrungsquellen sind sehr spezifisch. Auch das äußere Erscheinungsbild der Medizinischen Blutegel variiert in faszinierender Weise. Von der Wirkung unterscheiden sich die uns bekannten Arten nicht grundlegend, alle injizieren den berühmten Saliva- Chemie- Cocktail, der ja bekanntlich für die therapeutische Wirkung verantwortlich ist.

 

 So gibt es Arten mit einer sehr hellen, gelben Haut, die eine eher unauffällige Rückenzeichnung tragen. Andere sind eher mittel- bis dunkelgrün mit oft ausgeprägten orangen Mustern und zwei seitlichen hellen "Rallystreifen". Andere wieder sind fast schwarz auf dem Rücken.

 

 Die Bauchzeichnung variiert ebenfalls. Manche Arten sind gleichmäßig hell-olivgrün. Andere haben deutliche dunkle Einsprengsel oder sind gar fast schwarz.

 

 Bei uns in den Teichen kommen sämtliche oben genannten Variationen und Mischformen vor. Sicherlich sind die verschiedenen Zeichnungen Ausdruck der Anpassung an die jeweiligen Lebensräume. Da sie sich in der physiologischen Wirksamkeit nicht erkennbar unterscheiden, kann man sich über die natürliche Vielfalt freuen, denn schön anzusehen sind sie alle. Und in ihrer Eleganz beim Schwimmen sind sie unvergleichlich.

 

 Professor Kutschera von der Universität Kassel hat sich die unterschiedlichen Phänotypen genetisch genauer angesehen und differenziert sie daher sehr genau. In der Praxis spielt diese Differenzierung aber keine Rolle: wir haben es mit unterschiedlich aussehenden Tieren zu tun, die uns gleichermaßen in der Therapie helfen. Freuen wir uns einfach an dem Einfallsreichtum der Natur.

 

 Warum finden Sie hier so wenige exakte Angaben zu den diversen angeschnittenen Fragestellungen (Entwicklungsalter, Differenzierung der Arten, etc.)? Weil die wissenschaftliche Arbeit an und mit dem Blutegel eine recht neue Disziplin ist und sich nicht gerade viele Wissenschaftler mit ihnen befassen. Es ist zwar vieles "in Arbeit", aber es bleiben noch viel mehr Fragen offen als geklärt sind. Mittlerweile wächst die Zahl der Menschen, die den Geheimnissen des faszinierenden Hirudo nachspüren, zwar kontinuierlich, aber es ist immer noch so, dass wir über so manche tropische Spinnenart mehr wissen, als über unseren langjährigen Wegbegleiter und Therapeuten, den Medizinischen Blutegel.