Entwicklung, Philosophie, Marketingkonzept
Das Projekt
Entstanden ist die Blutegelzucht in Biebertal 1989 aus der Idee, dass man anhand eines Produktes, das sensibel auf seine Handhabung reagiert, beruflich schwer integrierbare Menschen in Schlüsselqualifikationen ausbilden kann. Zudem war der Blutegel zu dieser Zeit ein Produkt, das nicht in der Gefahr stand, einem Wirtschaftsbetrieb Konkurrenz zu
machen, wenn er in einem sozialen Projekt mit öffentlicher Förderung "entstand".
Schnell wurde klar, dass man mit dem Blutegel ein lohnenswertes Objekt wissenschaftlicher Neugierde in der Hand hatte. Die wenigen auf der Welt vorhandenen ernsthaften Forschungen wurden zusammen getragen und Wissen in Biebertal gebündelt.
Als der jährliche Absatz kontinuierlich stieg (von rd. 5.000 Egeln auf heute rd. 300.000 Egel) und der medizinische Nutzen des Blutegels, belegt durch erste Studien, nicht mehr ernsthaft in Frage gestellt wurde, war schnell klar, dass es sich bei diesem Tier um ein echtes "Arzneimittel" handelt. Also musste man sich darauf einstellen, dass auch von offizieller Seite entsprechende Maßstäbe angelegt wurden.
Das ließ sich aber nur in einem nach betriebswirtschaftlichen Kriterien geführten Betrieb umsetzen, weshalb aus dem sozialen Projekt 2008 ein wirtschaftlich arbeitendes Unternehmen wurde. In diesem Zusammenhang entstanden bis heute (Dez. 2008) immerhin 24 feste Arbeitsplätze.
Der medizinische Blutegel aus Biebertal
Kein anderer Betrieb in Deutschland arbeitet so lange schon an der kontinuierlichen Erforschung des "kleinen Therapeuten" und der ständigen Verbesserung seiner Haltungsbedingungen wie die Biebertaler Blutegelzucht. Der Antrag auf Zulassung als Arzneimittel ist gestellt, mit der Zulassung wird für 2009 gerechnet. Es ist übrigens das erste Mal, dass ein Tier eine solche Zulassung erhält.
Nur "Biebertaler" sind echte "Biebertaler"
Nur Blutegel, die aus einem Betrieb mit der Anerkennung zur Arzneimittelherstellung kommen und ein zugelassenes Produkt vertreiben, sind Arzneimittel im Sinne des Gesetzes. Natürlich wird in Biebertal nicht eine Wirksamkeit "hergestellt", die der Egel nicht von Natur aus mitbringt. Aber nur die Egel, welche die genannten Kriterien erfüllen, haben den hohen Sicherheitsstandard, der vom Gesetzgeber bei einem Arzneimittel gefordert wird.
Verantwortungsbewusstsein
Immerhin steht der Hirudo medicinalis unter dem Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens, weil er in weiten Teilen seines früheren Verbreitungsgebiets kaum mehr zu finden ist, so auch in Deutschland. Eine Haltung und Vermehrung geschieht bei uns unter Bedingungen, die soweit wie möglich den natürlichen Lebensbedingungen dieses Tiers angepasst sind. Wir halten sie die meiste Zeit ihres Lebens in naturnahen Teichen mit einem ausgewogenen biologischen Gleichgewicht, denn nur ein Egel, der sich wohl fühlt, kann auch eine optimale Wirkung an seinem "Patienten" erzielen.
Jeder kennt die quasi "industriellen" Haltungsbedingungen, die wir manchen "Nutztieren" zumuten: Hühner, Schweine, etc. Wir wissen aber auch um die Qualitätseinbußen, die wir mit diesen Bedingungen zwangslufig "mitkaufen". Dass die angeblich dort erzielbare "Sauberkeit" meist nur eine Schimäre und nur mit dem massiven Einsatz der Chemie erreichbar ist, bekommen wir in zahlreichen Fällen immer wieder vorgeführt. Ganz abgesehen von unserer moralischen Verpflichtung einem Lebewesen gegenüber sollten wir uns bei einem Arzneimittel aber nicht mit reduzierter Qualität arrangieren, deshalb der erwähnte Aufwand.
Unser Vertriebskonzept
Um trotz des hohen Aufwands ein bezahlbares Arzneimittel zur Verfügung stellen zu können, beruht unser Vertriebskonzept auf der Idee des Gründers der Schweizer MIGROS, Gottlieb Duttweiler. Duttweiler hatte als Maximen ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis sowie die Produktwahrheit. Dieses Konzept war lange umstritten, hat sich aber bewährt. Wir vertreiben daher nur direkt an nachweislich qualifizierte TherapeutInnen und Apotheken.
Forschung und Praxis im Verbund
Wir arbeiten seit vielen Jahren mit renommierten Kliniken und Forschungseinrichtungen zusammen, um der Biologie und dem Wirkmechanismus des medizinischen Blutegels auf die Spur zu kommen: Charité Berlin, Klinikum Essen Mitte, Rheumaklinik Bad Endbach, Justus Liebig Universität Gießen u.v.m. Wir wollen nicht nur Blutegel verkaufen, sondern den Therapeuten und über diese den Patienten immer fundierteres Wissen über das Tier und die Wirkung seines Bisses zur Verfügung stellen. Wenn Sie also Fragen haben, wenden Sie sich an uns. Können wir die Frage nicht selbst beantworten, kennen wir vermutlich einen Experten, der fundiert und kompetent weiter hilft.
Wie kommt der Verkaufspreis zustande?
Wir versuchen in dieser Zusammenstellung, die mehr als 200 einzelnen Kostenstellen zusammen zu fassen.
| Importegel | € |
| Einkauf | 0,51 |
| Energie, Wasser, Material | 0,33 |
| Löhne | 1,55 |
| Kosten für Qualitätssicherung, Labore, etc. | 1,07 |
| Steuern und Versicherungen | 0,06 |
| Büro, Telefon | 0,10 |
| Werbung | 0,08 |
| Rücklagen, Investitionskosten | 0,15 |
| Instandhaltung Gebäude, Abschreibung, Materialkosten | 0,41 |
| Externe Beratung (Steuerberater, Rechtskosten, etc.) | 0,09 |
| Gesamt | 4,35 |
| Zuchtegel | € |
| Einkauf | 0,11 |
| Energie, Wasser, Material | 0,69 |
| Löhne | 3,63 |
| Kosten für Qualitätssicherung, Labore, etc. | 1,09 |
| Steuern und Versicherungen | 0,07 |
| Büro, Telefon | 0,10 |
| Werbung | 0,13 |
| Rücklagen, Investitionskosten | 0,15 |
| Instandhaltung Gebäude, Abschreibung, Materialkosten | 0,45 |
| Externe Beratung (Steuerberater, Rechtskosten, etc.) | 0,13 |
| Gesamt | 6,55 |
