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Kleine Therapiehelfer mit großer Wirkung - Pressemitteilung des Landkreises Gießen

Landkreis Gießen. Sie sind bis zu 20 Zentimeter groß, bunt gefärbt, elegante Schwimmer und kleine Therapiehelfer. Dass Blutegel keine ekligen Würmer, sondern kleine Wunderwaffen sind, konnte Landrätin Anita Schneider nun bei einem Besuch des größten Blutegel-Anbieters Europas – der Biebertaler Blutegelzucht GmbH (bbez)– feststellen. Gegründet wurde die bbez als Projekt der ZAUG (Zentrum Arbeit und Umwelt - Gießener gemeinnützige Berufsbildungsgesellschaft), zu deren Trägern der Landkreis Gießen gehört.

(Foto: Landkreis Gießen)
Der Blutegel stand im Mittelpunkt bei Landrätin Anita Schneiders (links) Besuch und ihrer Führung mit Dr. Harald Galatis (rechts)
(Foto: Landkreis Gießen).

Geschäftsführer Dr. Harald Galatis führte Landrätin Anita Schneider durch das Unternehmen, das früher Teil der ZAUG war. Er zeigte ihr die wichtigsten Abteilungen von Aufzucht bis Versand.

 

„Es ist beeindruckend, wie erfolgreich Sie diese Nische auf dem Markt füllen“, stellte Schneider fest. Etwa 500.000 Blutegel verkauft das Unternehmen mittlerweile jährlich. Diese guten Ergebnisse führten unter anderem auch dazu, dass die Mitarbeiterzahl von damals 12 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf heute 45 wachsen konnte. „Durch die Schaffung neuer Arbeitsplätze stärken Sie weiterhin die Region und verfolgen mit dieser Beschäftigungsförderung eines der ursprünglichen Ziele des von der ZAUG ins Leben gerufenen Projektes“, sagte Schneider.

 

Dieser starke Anstieg liegt unter anderem daran, dass Blutegel seit 2004 offiziell als sogenanntes Fertigarzneimittel eingestuft werden. Nicht nur bei Tieren wie Pferden, Hunden oder Katzen können Blutegel eine heilende Wirkung haben, auch in der Humanmedizin werden sie zunehmend eingesetzt. Durch ihren Speichel, den sie beim Biss absondern, gelangen schmerzstillende Wirkstoffe in den Körper. Diese Stoffe können die Durchblutung fördern und entzündungs- sowie schmerzhemmende Wirkungen erzielen. Drei bis neun Monate lang können sie so den lokalen Schmerz stillen – und das ohne große Nebenwirkungen oder starken Blutverlust. Ein Egel nimmt pro Mahlzeit ungefähr das Fünf- bis Sechsfache seines Gewichts an Blut auf. Hinzu kommt noch einmal ungefähr dieselbe Menge an Blut, die nach dem Biss nachfließt. Bei einem durchschnittlich großen Ein-Gramm-Egel sind das gerade einmal zehn bis zwölf Gramm.

 

Aber wie bekommt man den Egel dazu, an der richtigen Stelle „anzubeißen“? Und bei welchen Erkrankungen kann er eingesetzt werden? Um das zu vermitteln, bietet die bbez für Ärzte oder Heilpraktiker Schulungen an. Über 800 Therapeutinnen und Therapeuten bildet sie so jährlich im richtigen Umgang mit der Blutegel-Therapie aus. Schließlich gibt es über sechzig verschiedene Einsatzgebiete, bei denen der Egel helfen kann. So beispielweise bei Arthrose, Rheuma und sogar Tinnitus. Bei all diesen Beschwerden kann der kleine Ringelwurm nachgewiesen Abhilfe schaffen.

 

Ihr Potential erkannte damals schon Dr. Manfred Roth, der Gründer der Biebertaler Blutegelzucht (bbez). Als Projektentwickler der ZAUG initiierte er das Projekt der bbez. So kaufte die ZAUG 1989 das Gelände einer ehemaligen Gärtnerei in Biebertal und schuf mit der Blutegelzucht neue Arbeitsplätze für sozial Benachteiligte und Langzeitarbeitslose. Aufgrund der guten Umsätze und der Tatsache, dass Blutegel seit 2004 als Fertigarzneimittel gelten, wurde 2008 aus dem sozialen Projekt ein selbstständiges Unternehmen.

 

Neben der Zucht bezieht die bbez auch Blutegel aus der Türkei oder Rumänien. Diese kommen anschließen in spezielle Teiche und werden vor Versand 32 Wochen ohne Nahrung gehalten. So werden die Tiere nicht nur „beißfreudiger“ bei einer Therapie, sondern es wird auch das Risiko potentieller in den Egeln vorhandener Viren ausgeschlossen.

 

(Zum Download der Pressemitteilung hier klicken)