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Situation in Mali

 

Sehr geehrte, liebe Kunden,

wir haben in den letzten Jahren zum Jahresende jeweils eine Spende an das Projekt Häuser der Hoffnung in Bamako, Mali überwiesen.

Leider bestimmen schlimme Nachrichten in den letzten Monaten das Bild, das wir uns von Mali, einem der ärmsten Länder der Welt, machen.

Da wir an ein konkretes und lokales Projekt spenden, wollten wir von den Gründern wissen, wie es vor Ort aussieht. Dazu baten wir Frau Ruth Hoffer um eine Schilderung der Situation und eine Aussicht. Die geben wir hier wieder:

Die Situation in Mali ist bedrohlich und konfus

Seit vor über 3 Monaten das Militär geputscht hat, haben verschiedene Gruppen von Touareg - darunter Rückkehrer aus Libyen, die für Gadhafi gekämpft hatten und schwere Waffen mitbrachten, Araber, radikale Islamisten und Mitglieder von Al Qaida Maghreb (AQMI) – die 3 nördlichen Regionen Malis, Timbuktu, Gao und Kidal erobert. Am 6. April 2012 hat die laizistische Nationale Bewegung zur Befreiung des Azawad (Mouvement National de Liberation de l'Azawad), so die Touaregbezeichnung der 3 Regionen, deren Unabhängigkeit ausgerufen. Die teilweise brutalen Kämpfe, Plünderungen und Vergewaltigungen im Norden haben zur Flucht von an die 300.000 Menschen geführt, z.T in Nachbarländer, z.T. in den Süden des Landes. Zwischenzeitlich hatte sich die laizistische MNLA mit islamistischen Gruppen verbündet, die die Scharia einführen wollen; dieses Bündnis scheint allerdings nicht dauerhaft zu sein, man hört immer wieder von Auseinandersetzungen und in jüngster Zeit hat die islamistische Ansar Dine die MNLA weitgehend zurückgedrängt.

Unmittelbarer Anlass für den Putsch war die Unzufriedenheit der Miltärs mit der Regierung gewesen, die schlecht ausgerüstete Soldaten mit übermächtigen Rebellen konfrontiert hatte.

Mali gilt international als „demokratisches Musterland“, doch ein grosser Teil der städtischen Bevölkerung leidet seit Jahren unter der politischen und ökonomischen Stagnation und hat durchaus Verständnis für die Putschisten aufgebracht und in jüngster Zeit setzt sich allmählich die Erkenntnis durch, dass es mit dem ‚Modell’ Mali nicht so weit her war.

Aufgrund des politischen und ökonomischen Drucks hat die Junta am 6.April mit der CEDEAO den Übergang zu einer zivilen Regierung vereinbart. Im Gegenzug sollen die Putschisten der Junta amnestiert werden, die gegen sie verhängten ECOWAS-Sanktionen wurden aufgehoben.
Am 16.April haben die wichtigsten Parteien und gesellschaftlichen Gruppen (forces vives) unter Vermittlung des Präsidenten von Burkina Faso eine "feierliche Erklärung" verabschiedet. Darin wird u.a. die sofortige Wiederherstellung der territorialen Integrität Malis gefordert und an die ECOWAS appelliert, diese zu unterstützen, um humanitäre Hilfe gebeten, die bewaffneten Gruppen im Norden zur Einstellung der Gewalt und dem Schutz der Bevölkerung aufgerufen, eine zeitliche Begrenzung der Übergangsregierung der nationalen Einheit empfohlen sowie die Notwendigkeit transparenter und demokratischer Wahlen und der Stärkung der Schlagkraft der Armee unterstrichen.

Regelmässige Stromausfälle und steigende Nahrungsmittelpreise, v.a. Hirse und Reis, charakterisieren die Lage nicht nur in der Hauptstadt. Dort ist die Lage im Großen und Ganzen ruhig, doch ist die Beziehung zwischen den Putschisten und der Übergangsregierung gespannt; so wurde deren Präsident von Anhängern der Putschisten zusammengeschlagen.

Die Aktivitäten von Jigiya Bon sind zum Glück bisher nicht betroffen. Nach vorübergehnder Schliessung der Schulen wurde deren Besuch wieder aufgenommen. Im Schneideratelier wird gearbeitet, in Siokoro wurde ein Tiefbrunnen gebohrt. Auch in Boro läuft der Schulbetrieb normal.

Seit ein paar Jahren spende ich selber monatlich an das Projekt und werde das vorerst auch weiter tun. Sollten Sie sich persönlich informieren oder spenden wollen, finden Sie die homepage des Projektes unter:  www.haeuser-der-hoffnung.org


Mit besten Grüßen aus Biebertal

Harald Th. Galatis
Geschäftsführer
bbez